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Wednesday, 04 December 2013 08:12

Muskelkater - Was ist das?

Was bedeutet es eigentlich, wenn von Muskelkater gesprochen wird? Früher wurde fälschlicherweise das sich angehäufte Laktat als Ursache für die beim Muskelkater bekannten Schmerzen verantwortlich gemacht. Untersuchungen widerlegten diese Annahme jedoch und stellten fest, dass trotz hoher Laktatkonzentrationen im Blut (z.B. bei 400m-Läufern) keine Muskelkatererscheinungen auftreten müssen. Genauso wenig müssen Muskelkatererscheinungen immer in Verbindung mit Laktatkonzentrationsanstiegen im Blut (z.B. Bergabläufen) stehen.

 

Vom momentanen wissenschaftlichen Stand aus betrachtet ist Muskelkater oder DOMS (delayed onset of muscle soreness) ein Resultat aus ungewohnten, neuen oder sehr intensiven körperlichen Aktivitäten. Obwohl die genauen Mechanismen des Muskelkaters noch nicht bis ins letzte Detail erforscht sind, ist man sich bis heute sicher, dass Reflexmechanismen innerhalb des Muskels bei den genannten Belastungen zu einem momentanen Überschreiten der Belastungstoleranz des Muskelgewebes führen.

 

Es entstehen Mikrotraumata (kleine Verletzungen des Muskelgewebes). Durch die Verletzungen im Muskelgewebe entstehen kleine Risse, die zu Wassereinlagerungen (Ödembildungen) führen. Diese Wassereinlagerungen wiederum rufen Entzündungsreaktionen hervor. Der Muskel schwillt dadurch an.

 

Die folgenden Muskelkaterschmerzen treten, wie uns allen bekannt, nicht sofort sondern zeitverzögert auf. Da sich innerhalb der Muskelzelle keine Schmerzrezeptoren befinden, führt erst ein Ausspülen der Entzündungsstoffe zu einem Kontakt mit den Schmerzrezeptoren. Die Rezeptoren leiten ihrerseits die Schmerzinformation an das zentrale Nervensystem weiter. Auch das veränderte Druckverhältnis durch die Ödembildung verstärkt den Schmerz durch höheren Druck innerhalb der Muskelfasern.

 

Muskelkater entsteht, wie bereits erwähnt, häufig durch neue Reize auf die Muskulatur. Obwohl konzentrische (den Muskel verkürzende, einen Widerstand überwindende Arbeit) und exzentrische (den Muskel verlängernde, einem Widerstand nachgebende Arbeit) Trainingsformen zu Muskelkater führen, sorgt eine Verlängerung der Muskelfasern durch exzentrische Trainingsformen für intensivere Verletzungen des Muskelgewebes. Außerden stellte man fest, das bei Typ-II Muskelfasern häufiger derartige Verletzungen des Muskelgewebes auftreten. Typ-II Fasern sind schnellzuckende Muskelfasern, die bei schnellkräftigen Beanspruchungen aktiviert werden. 

 

Generell kann bestätigt werden, dass Muskelkater zeitverzögert nach ungefähr 6-8 Stunden in Erscheinung tritt und bis zu 48 Stunden im Durchschnitt anhält. Die individuellen Zeitrahmen können jedoch variieren, da Faktoren wie Intensität, Trainingslevel und auch die genetische Veranlagung eine große Rolle spielen. 

 

Brad, J. Schoenfeld, MSc, CSCS, CSPS and Bret Contreras, MA, CSCS (2013): Is Postexercise Muscle Soreness a Valid Indicator of Muscular Adaptations?. In: Strength and Conditioning Journal, Vol. 35, No. 5.

De Marées, H. (2003). Sportphysiologie. (9., korr., vollst. überarb. u. erw. Aufl.). Köln: Sport und Buch Strauß